Die ersten zwei spannenden Wochen meiner Phase 1 des Ausstiegs aus dem Angestelltenverhältnis neigen sich dem Ende. Tatsächlich ist bereits jetzt schon wieder einiges passiert. Doch beginnen möchte ich mit dem allgemeinen Empfinden.

Was hat sich verändert?

Zu allererst ist dort einmal der Faktor Zeit. Zum ersten mal habe ich bewusst wahrgenommen, wie viel Lebenszeit ich seit vielen Jahren im Job verbracht habe. Ich habe mich bewusst dazu entschlossen, die Tage um die gleiche Zeit zu starten, um hier gar nicht erst in die Situation zu kommen, weniger aktive Zeit zur Verfügung zu haben. Hinzu kommt der gemeinsame Start in den Tag, die Routine meiner Partnerin und mir, die ich nicht missen möchte. Bereits am ersten Tag meiner neu erworbenen Freiheit wurde mir klar: Da geht einiges an so einem Tag, den man nicht in einem Büro mit 200 E-Mails startet! Für jeden Tag habe ich mir mehrere Themen vorgenommen und mir Ziele gesetzt. Ich muss gestehen, das hat nicht jeden Tag perfekt geklappt. Denn gerade zu Beginn habe ich mir direkt zu viele Termine gelegt und mir zu viel vorgenommen. Ich sehe es aber als erstes Learning und beobachte nun genau, zu welchen Zeiten ich besonders produktiv bin und wann es sich lohnt auch mal vom eigentlichen Business abweichende Termine oder Pausen zu legen.

Dann sind da ja noch die 20 Stunden pro Woche in der bisherigen Firma. Und hier kommt auch schon der erste Knackpunkt. Ich war natürlich nicht so naiv zu glauben, ich könne meinen bisherigen +40 Stunden-Job mal eben in der Hälfte der Zeit stemmen. Keine Chance! Die größte Schwierigkeit ist aktuell, den Mitarbeitern sukzessive Themen so zu übergeben, dass sie mit ausreichend Sicherheit und Selbstbewusstsein diese auch annehmen, während ich gleichzeitig den Support immer weiter reduziere. Was die 20 Stunden angeht, bin ich „relativ“ strikt. Das erfordert natürlich noch mehr Konsequenz im Delegieren von Aufgaben, ohne dabei Mitarbeiter zu überlasten. Erschwerend hinzu kommt, dass es noch keinen Nachfolger für mich gibt und es derzeit nicht so aussieht, als würde ich noch die Chance bekommen, eine Übergabe bis Jahresende zu vollziehen. Spannend wird es sein, was nun die nächsten beiden Wochen passiert, denn ab morgen geht es in den Urlaub…

Und dann sind da noch die Möglichkeiten, die sich mir derzeit aus vielen Richtungen eröffnen. Als hätte ich eine Art Magneten eingeschaltet, kommen just im Augenblick der Veränderung auch Chancen ums Eck. Während sich bei meinem aktuell ersten Kunden das Aufgabenfeld immer mehr ausweitet und sich hier ganz offensichtlich mehr ergibt, als ich es anfangs gedacht hätte, kommen auch aus anderen Netzwerken Anfragen an mich heran. Neben zwei Anfragen, die meiner Selbständigkeit weiteres Futter geben könnten, kam auch ein Vermittler auf mich zu, der mir eine durchaus interessante Stelle anbot, die theoretisch super als nächster Step gepasst hätte. Ich war neugierig und lies mich trotz meiner Ambitionen, keinen festen Job mehr anzunehmen, auf ein Erstgespräch ein. Offensichtlich hatte ich das Interesse der Gegenseite in dem Gespräch geweckt, woraufhin heute ein Zweitgespräch in größerer Runde stattfinden sollte. Bestimmt kennt ihr das, wenn man sich locker und ohne Erwartungshaltung – natürlich trotzdem immer seinen eigenen Ansprüchen entsprechend – auf eine Herausforderung einlässt, gelingt einiges deutlich einfacher.

Nachdem ich also das Zweitgespräch angenommen hatte, fragte ich mich anschließend: Warum? Warum beschäftige ich mich damit? Wohin soll das führen, wenn es doch dem entgegensteht, was ich vor habe? Die Antwort: Mein Ego! Ich wollte wissen, was mein Marktwert ist. Ich wollte sehen, wie weit ich in meinem aktuellen Feld noch kommen kann. Und was bringt mir das? Richtig, NICHTS! Ich habe eine Entscheidung getroffen. Jetzt schon am Anfang falsch abzubiegen, hätte mich nur zurück in alte Muster geworfen. Ihr ahnt es schon, das Gespräch fand heute natürlich nicht statt. Und es war die richtige Entscheidung! Stattdessen habe ich mich auf den Ausbau meiner Selbständigkeit konzentriert und war dabei überaus produktiv. Nicht zu vergessen, dieser Post, den ich nun auch noch schreiben kann. Ein sehr guter Tag!

Was ist nun also mein Fazit nach den ersten zwei Wochen:

Selbst zu entscheiden, was man wann und zu welcher Zeit tun möchte, ist Fluch und Segen zugleich – letzteres überwiegt für mich. Fakt ist, 8, 10 oder mehr Stunden Fokus auf die eigenen Themen richten zu können, ohne das nächste Meeting im Hinterkopf zu haben, sind ein Luxus, den ich nicht mehr missen möchte. Die richtige Struktur zu finden, um die Zeit produktiv zu nutzen, sich dabei jedoch nicht direkt wieder in andere Extreme zu begeben, ist die Challenge. Das Betriebshandy nach 20 Stunden auszuschalten und zu wissen, jetzt geht es um mich: UNBEZAHLBAR!

Ich wünsche allen einen erfolgreichen Start ins Wochenende.

Euer Patrick


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