Der zweite Monat meines Teilausstiegs aus dem Job ist nun bereits zur Hälfte um. Gestern fiel mir zum ersten mal bewusst auf, wie groß der mentale Abstand zu meinem bisherigen Job bereits nach so kurzer Zeit geworden ist. Es war fast etwas beängstigend, festzustellen, wie schnell ich tatsächlich Abstand gewinne und wie wenig mich die noch zu bearbeitenden Themen mittlerweile berühren.
Es ist nicht so, dass mir alles egal wäre, keineswegs. Meiner Verantwortung bin ich mir nach wie vor bewusst und den sauberen Abschluss werde ich auch wie geplant vollziehen. Jedoch tangieren mich viele teils auch emotionale Dinge nicht mehr so stark, wie es noch zu Beginn des Ausstiegs der Fall war. Wer mit Herzblut und Ehrgeiz einer hoch verantwortungsvollen Aufgabe nachgeht, kann Emotionen zumeist nie voll ausschließen, so sehr man auch auf Rationalität und Sachlichkeit fokussiert ist. Es gibt – vor allem bei dem hohen Level an Verantwortung für viele Mitarbeiter und die Entwicklung eines Unternehmens – Themen, die einen auch nach dem Feierabend begleiten. Nicht immer funktioniert das Abschalten dann noch und auch der Druck ist doch immer präsent. Dieser Druck lässt in den letzten Wochen zum ersten mal seit Jahren stark nach. Und das, obwohl es in der Tat eine echte Herausforderung ist, die Themen aus meinem +40h Geschehen in die jetzt nur noch 20h zu packen. Es ist nicht weniger herausfordernd, Stück für Stück an die richtigen Mitarbeiter zu delegieren, ohne hier neue Baustellen aufzureißen, die ich dann final übergeben müsste. Ungeachtet dessen gelingt es mir, deutlich entspannter damit umzugehen.
Woran liegt es also, das dem so ist? Ich denke zum einen liegt es an der Aufteilung meiner Arbeitszeit. Ich hatte mein 20h-Modell bereits zu Beginn so gewählt, dass ich nur 2,5 Tage die Woche im Unternehmen bin. Je nach Relevanz, lege ich mir die Tage so, dass die wichtigsten Termine abgefangen werden. Den Rest der Woche teile ich mir für mich ein. Das heißt, ich gehe den Dingen nach, auf die ich Lust habe, genau so, wie ich es mir vorgenommen hatte.
Den Großteil der Zeit stecke ich in meine neue Unternehmung. Zum einen habe ich ja bereits den ersten Kunden, wie ich zuvor schon einmal berichtete. Zuletzt wollte mich auch die amerikanische Führung kennenlernen und mir wurde während eines einstündigen Interviews auf dem Zahn gefühlt, warum ich der richtige sei, um am Standort in Deutschland zu helfen. Offensichtlich konnte ich überzeugen, denn die Zusammenarbeit entwickelt sich prächtig und hier ist noch viel Potential für eine Kooperation über den bisher angedachten Zeitraum hinaus.
Ja und dann ist da noch der Aufbau meiner eigenen Firma, meiner Marke, was den zweiten Teil meiner neu gewonnene Zeit einnimmt. Für mich ist es eine völlig neue Erfahrung und wenn es etwas gibt, was das vielerlei zitierte „Ausbrechen aus der Komfortzone“ exemplarisch beschreiben kann, dann das! Es war schon eine große Sache für mich 2019 ein Buch zu veröffentlichen, noch dazu mit solch privaten Einblicken. Doch jetzt bin ich noch einen Schritt weiter gegangen. Neben meiner eigenen Homepage, habe meinen ersten YouTube-Kanal erstellt. Nicht nur das, heute lade ich bereits das dritte Video hoch. An der Strategie habe ich seit Mai gearbeitet und mich vorbereitet. Mit dem Videodreh habe ich vor 4 Wochen begonnen und seit letzter Woche drehe und veröffentliche ich wöchentlich 2 Videos. Bevor hier jetzt ein falscher Eindruck entsteht, dabei geht es nicht darum der nächste Influencer oder Finfluencer zu werden. Es geht auch nicht darum eine riesige Follower-Zahl und Views zu erreichen. YouTube bietet einfach ein perfektes Tool, um zum einen zu geben, in Form von kostenlosen Inhalten, der Möglichkeit vielen Menschen mit seinem eigenen Wissen zu helfen. Und natürlich gibt es zum anderen auch potentielle Kunden, die die Inhalte sehen und von einer Zusammenarbeit profitieren können – win-win. Und was soll ich sagen, die Videos werden gefunden und auch angeschaut, in geringen Zahlen aber ich erreiche tatsächlich Menschen. Ein Erfolg!
Zwischenfazit: Ich bin wirklich dankbar, diese Entscheidung im Mai getroffen zu haben. Mit jeder neuen Tür, die man öffnet, kommen natürlich auch neue Herausforderungen herein und mir ist bewusst, dass die Achterbahnfahrt weitergeht. Aber allein die Freiheit, die ich jetzt bereits empfinde, gibt mir ein unheimlich gutes Gefühl. Ich sehe, wie sich neben dem bisherigen Weg neue Wege auftun und das motiviert mich zusätzlich.
Es bleibt spannend, was sich bis Jahresende noch so entwickelt. Denn der nächste Step zum Januar, so völlig ohne ein „sicheres“ Einkommen aus dem Job, wird noch einmal eine neue Erfahrung für mich. Angesichts der Entwicklungen der letzten paar Wochen bin ich jedoch sehr zuversichtlich, dass ich meinen ursprünglichen, äußerst konservativen Plan übertreffen werde…
Euer Patrick
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