Ja, die Zeit verflog die letzten Monate nach meinem subjektiven Empfinden noch schneller als sonst. Klar, im Nachhinein äußert man sich gern so, sobald ein Ziel, ein Meilenstein oder sonstige große Ereignisse, denen man entgegenfiebert, in greifbare Nähe kommen. Doch solch eine Achterbahn der Gedanken, Empfindungen und Wechselwirkungen der unterschiedlichen Stimmen in meinem Kopf hatte ich schon lang nicht mehr. Was mit einer harten Entscheidung im Mai begann, steht nun kurz vor dem Zenit.

Und wie geht es mir nun so kurz davor? Wer meine bisherigen Ergüsse konsumiert hat, dem ist sicher nicht entgangen, dass immer ein wenig Skepsis mit an Bord war. Doch sicher hat das wenige überrascht, immerhin geht es hier um einen großen Wandel.

Die nun ab morgen folgenden, letzten 6 Seiten beenden nicht nur ein Kapitel meines Karrierebuches. Nein, es sind die letzten Seiten dieses Buches!

Und das ist auch gut so! Steht man wie ich so kurz vor dem Austritt, so ist es sicher natürlich, dass einen so manches Thema nicht mehr wirklich anhebt. Über die eine oder andere Unzulänglichkeit im Unternehmen sieht man dann mit einem Lächeln hinweg. Wohlwissend, dass man sich mit diesen Themen schon bald nicht mehr beschäftigen werden muss. Doch ungeachtet dessen war es fast erschreckend, wie viel klarer mir in den letzten Wochen einige Dinge wurden, mit denen ich mich überhaupt nicht identifizieren kann. Zum einen bestätigt mich dies natürlich in meiner Entscheidung.

Man könnte es psychologisch betrachtet mit dem Bestätigungs(Confirmation)-Bias erklären. Ein kurzer Exkurs dazu für alle, die das Buch: „Die Kunst des klaren Denkens“, von Rolf Dobelli nicht gelesen haben: Menschen neigen dazu, sich selbst für bestimmte, wichtige Entscheidungen gezielt bestätigende Informationen zu suchen, um sich selbst keinen Fehler eingestehen zu müssen.

Zum anderen hat es mir vor allem aber die Augen geöffnet, was ich für mich und meine zukünftigen Aufgaben nicht wieder zulassen werde. Und nein, ich bin dem Bestätigungs-Bias nicht verfallen. Ich handhabe es eher, wie der kürzlich verstorbene Geschäftspartner und Freund von Warren Buffet, Charles Munger (gest. 28. Nov. 2023). Sein Kredo lautete: „Invert, always invert.“ Gemeint ist damit das komplette Gegenteil vom Bestätigungs-Bias. Anstatt sich bei komplexen Entscheidungen – ohne meine Entscheidung zu kündigen hier jetzt zu sehr überzubewerten – Bestätigung zu suchen, halte ich Ausschau nach Argumenten dagegen und was es bedeuten würde, falls diese eintreten.

Um es auf den Punkt zu bringen, so einige Situationen, Verhaltensweisen von Kollegen oder andere mit dem Unternehmen zusammenhängende Gegebenheiten, mit denen ich die letzten Jahre tagtäglich konfrontiert war, habe ich nun für mich als für meine Zukunft nicht mehr akzeptabel definiert. Man – und damit schließe ich mich in den letzten >14 Jahren meiner beruflichen Karriere mit ein – arrangiert sich gelinde gesagt viel zu leicht mit Dingen, die sich weder mit den eigenen Prinzipien vereinbaren lassen, noch auf Dauer gesund für das persönliche Befinden sind. Letzteres wiegt dabei mit fortgeschrittener Zeit umso schwerer.

Manch einer mag jetzt sagen: Schön einfach macht er es sich hier, anonym und offensichtlich relativ entspannt, was seine Zukunft angeht. Aus der Situation heraus zu sagen, man soll sich vereinfacht gesagt nicht mit Situationen oder Menschen zufrieden geben, die einem nicht gut tun, ist nicht gerade eine besondere Heldentat. An diesem Punkt möchte ich nochmal auf den Bestätigung-Bias verweisen. Und in der heutigen, von Möglichkeiten nur so wimmelnden Welt ist es auch nicht schwer, sich darüber Gedanken zu machen, wie man leben und vor allem wofür man leben möchte. Dabei sollte sich jeder auch immer die Zeit vor Augen führen, die das Arbeitsleben, wie es die meisten kennen, einfordert: 6, 8, 9 Stunden am Tag, 3-5 Tage die Woche – abhängig davon, welcher aktuelle Arbeitszeittrend gerade bei euch vorherrscht… Ich denke, es bedarf keiner komplexen mathematischen Erläuterung, um begreiflich zu machen, worauf ich hinaus will. Letztendlich hat jeder eine Wahl.

Bleibt mir nur noch abschließend zu sagen: Egal, wie oft ich es versuche mir auszureden, es war die richtige Entscheidung! Also, vielleicht ist es ja ein Anstoß, um zukünftig einmal den Blickwinkel zu ändern und sich zu sagen: „Invert, always invert!“

Euer Patrick


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