Am 20.12. war es nun soweit: Mein letzter Arbeitstag brach an, ein Moment, den ich in meiner bisherigen Karriere noch nie erlebt habe. Noch nie zuvor habe ich aus eigenem Antrieb einen Job an den Nagel gehängt. Alles war schon dabei, der Bau neuer Standorte, die Schließung von Standorten, eine Insolvenz und die Rettung durch einen Investor in buchstäblich letzter Sekunde, über 14 ereignisreiche Jahre in der Industrie… Doch all das ist nicht vergleichbar mit den teils sehr emotionalen Erfahrungen der letzten Wochen.
Schon 2 Wochen vor meinem Ausscheiden wurde ich durch den engsten Mitarbeiterkreis verabschiedet und ich bekam einen ersten Vorgeschmack, was noch folgen sollte. Ich bin mir bewusst darüber, dass ich zu vielen Mitarbeitern einen „Draht“ hatte und durch die Loyalität, die ich von der Mannschaft über die Jahre erfahren habe, wusste ich, dass der Großteil des Standortes mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine Freudensprünge macht, wenn ich gehe. Jedoch habe ich ehrlicherweise nicht mit der Wertschätzung gerechnet, die mir quer durch das Unternehmen, aus allen Bereichen entgegengebracht wurde. Ohne es zu übertreiben, muss ich gestehen, dass es überwältigend war!
Neben teils sehr persönlichen Geschenken zum Abschied wurden zu unterschiedlichen Anlässen sehr herzliche und wertschätzende Worte zu mir als Chef, Kollegen und auch Menschen verloren. Am meisten beeindruckt war ich, dass mir selbst Mitarbeiter, die nicht unbedingt für ihre Gefühlsausbrüche bekannt sind, sehr deutlich vermittelten, wie sehr sie meinen Weggang bedauern…
Kurze Unterbrechung der Dauerwerbesendung: NEIN, ich möchte mich nicht selbst beweihräuchern!
All diese letzten Eindrücke und Gespräche mit Kollegen und Mitarbeitern auf allen Ebenen haben mir eines gezeigt: Bei allen Ambitionen, auch bei dem größten Erfolgshunger und dem klaren Blick auf ein sich selbst gestecktes Ziel sollte die Menschlichkeit niemals verloren gehen! Vor allem in einer Position mit großer Verantwortung für eine Vielzahl von Mitarbeitern ist es oft eine Gratwanderung. Kritische Entscheidungen, deutliche und unangenehme Gespräche, Diskussionen, Frust und der Umgang mit unterschiedlichsten Charakteren, all das gehört zum Alltag.
Doch egal, wer vor einem steht, den Menschen dahinter darf man niemals vergessen!
Vorausgesetzt, die letzten Wochen waren keine perfekt inszenierte Theatervorstellung und es gab kein großes Fest nachdem ich „endlich“ weg war, habe ich offensichtlich einige Dinge richtig gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar!
Nichtsdestotrotz habe ich eine tiefe Erleichterung empfunden, als ich dann schlussendlich mein Firmen-Handy abschaltete und meinen Zugangschip an meinen Nachfolger übergab. Auch als sich die Tür hinter mir schloss, ich ins Auto stieg und losfuhr, überwog ein Gefühl der Freude. Ich hatte es geschafft! 7,5 Monate nach meiner Kündigung war es vollbracht…
Und wie geht es mir jetzt, nun da die Feiertage vorbei sind und sich die Eindrücke legen konnten? Meine Partnerin fragte mich gestern, wie es sich anfühlt, schon nach Selbständigkeit oder noch nach Urlaub. Letzteres konnte ich recht schnell erwidern. Weder habe ich Sorge noch hege ich Zweifel an meiner Entscheidung oder dem, was nun kommt. Es überwiegt die Freude auf die neuen Erfahrungen und eine leichte positive Aufregung .
Neben meiner neuen selbständigen Haupttätigkeit habe ich parallel bereits begonnen, alte Leidenschaften wieder neu zu entdecken. Es sind vorerst kleine Schritte, doch schon jetzt reizt es mich, meine Zeit wieder mehr mit diesen Dingen zu verbringen. Mehr dazu dann im neuen Jahr…
Eines ist gewiss, ein spannendes Jahr 2025 steht mir bevor!
Ich wünsche euch allen einen gesunden und erfolgreichen Start in das neue Jahr und freue mich darauf, meinen Weg weiter mit euch zu teilen.
Euer Patrick

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