…verändert sich die Sicht auf viele Dinge in unterschiedlichen Lebensbereichen. Speziell im Job merke ich mehr und mehr, wie sich meine Reaktion und mein Denken in bestimmten Situationen verändern. 

Ich bin von Natur aus kein aufbrausender Mensch und neige eher selten zu Kurzschlusshandlungen und auch Panik in problematischen Situationen liegt mir fern. Dies käme mir in meiner Führungsrolle auch wenig zugute. Was ich jedoch bemerke, ist ein zusätzliches Wachstum meiner Resistenz. Zwar ist mein Anspruch hinsichtlich der Lösung und des pro aktiven Angehen von aufkeimenden Herausforderungen unangetastet hoch, jedoch bemerke ich immer mehr, wie sich eine gewisse Leichtigkeit bemerkbar macht. 

Sicher kennt ihr den Begriff der „inneren Kündigung“. Diese ist weniger ein Gefühl, welches über Nacht in jemandem aufkeimt, sondern eher ein Prozess, der durch Frust in jeglicher Form bezogen auf den beruflichen Alltag entsteht. Oft kommt es im Verlauf zu einer Leistungsminderung durch die ansteigende Demotivation. In einigen Fällen steigt im Einklang mit der geminderten Motivation auch die Krankenquote. Nicht selten – so zumindest aus meiner langjährigen Erfahrung – wird dann lieber gewartet, bis der Arbeitgeber die Reisleine zieht, anstatt den beruflichen Weg eigenverantwortlich wieder neu zu ordnen. Um nun aber nicht eine Debatte über die Verantwortung des Arbeitgebers gegenüber den Mitarbeitern zu starten, lasst uns zurück kommen zu meiner derzeitigen Gefühlswert. 

Wie schon erwähnt, leidet seit meiner Entscheidung weder meine Motivation noch weiche ich von meinem eigenen hohen Anspruch ab. Ich habe eine hohe Verantwortung und dieser werde ich bis zum letzten Tag meiner Beschäftigung nachkommen. Jedoch führt die aufkeimende Leichtigkeit dazu, dass ich deutlich mehr sondiere, welchen „Problemen“ ich tatsächlich nachgehe und wieviel Energie ich letztendlich auf die unterschiedlichsten Themen verwende. Um es einfach auszudrucken, ich nehme viele Sachen deutlich entspannter auf, was sich entsprechend positiv auf mein Gemüt auswirkt. Interessant dabei ist, dass ein gewisser Abstand auf die Masse an täglichen Herausforderungen gleichzeitig mehr Fokus auf die essentiellen und wirklich dingenden Themen mit sich zieht. Dies ist nicht nur ein Zugewinn für die restlichen Monate in meinem aktuellen Job, sondern wird sich sicher auch auf meine zukünftigen Vorhaben positiv auswirken. Getreu dem Motto ‚KLUW‘ (konstant lernen und wachsen) – bekannt geworden durch Bodo Schäfer, nehme ich dies als positive Entwicklung mit. 

Es gibt hier jedoch auch eine Kehrseite, die die zuvor beschriebene Leichtigkeit und den Fokus dann doch überraschend schnell kippen lassen. So ergeht es mir derzeit durch einen Disput, den ich aufgrund der Vertraulichkeit nicht weiter detaillieren möchte. Doch wenn sachliche und für das Unternehmen förderliche Argumentationen beim Vorstand auf teils respektlose und völlig absurde Reaktionen stoßen, ohne die eigenen Ansichten auch nur ansatzweise zu hinterfragen, was löst das wohl in jemandem aus, der wie ich bereits sein Ausstiegsdatum kennt? Das ist wohl nicht schwer zu erraten… Denn selbst der höchste Anspruch an sich selbst wird in dieser Situation einen Gedanken nicht vermeiden können: Warum genau warte ich eigentlich noch bis nächstes Jahr? Warum tue ich mir das noch weiter an, obwohl doch die Entscheidung längst gefallen ist? 

Ich spreche nicht davon, dass ich bei jeder kleinen Konfrontation nun auf einmal zusammenbreche und bockig den Raum verlasse. Wenn das zu meinem Wesen gehören würde, wäre ich wohl nicht da, wo ich jetzt bin. Aber was ich meine zu erkennen, ist ein gewisser Selbstschutz, der sich mehr und mehr zeigt. Richtig, dies steht etwas im Widerspruch zur anfänglich beschriebenen Resistenz. Was hier jedoch unterschieden werden muss, ist die Leichtigkeit tägliche Themen anzugehen, die ich aktiv steuern und beeinflussen kann und auf der anderen Seite jedoch bei übergeordneten strukturellen, tatsächlichen Problemen auf Ignoranz zu stoßen und eine gewisse Machtlosigkeit zu verspüren. Und genau diese lässt die genannte Leichtigkeit ins Gegenteil umschlagen. 

Und an diesem Punkt frage ich mich nun mehr und mehr, ob es das Warten tatsächlich noch wert ist. Wie wäre es, diese sinnlos verbrauchte Energie in die für mich bereits geplanten und zum Teil sogar schon angestoßenen Projekte zu stecken? Welchen zusätzlichen positiven Einfluss hätte dies wohl auf mich selbst und natürlich auch die vielen Vorhaben? 

Welche Gründe mich trotzdem noch davon abhalten und ob es diese „wert“ sind, diese Gedanken werden Teil eines der nächsten Beiträge sein. 

In diesem Sinne wünsche ich euch einen erfolgreichen und gelungenen Start in die neue Woche!

Euer Patrick


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Eine Antwort zu „Ist die Entscheidung erst einmal gefallen…”.

  1. Avatar von tonasbraydan94
    tonasbraydan94

    nices!! Das Auf und Ab danach

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