Ich habe es getan! Zum ersten mal in meinem Leben habe ich eine Kündigung eingereicht.
Nun kam doch alles anders. Wie im letzten Beitrag beschrieben, ändert sich mit dem Beschluss und dem Ziel vor Augen auch die Sicht auf so manch alltägliche Dinge. Vor allem die Zeit und wie man sie für sich und andere am sinnvollsten nutzt, spielt eine immer wichtigere Rolle.
Neben meiner generellen Entscheidung und dem unwiderruflichen Ziel spätestens in einem Jahr gekündigt zu haben, reift selbstverständlich auch immer mehr der Gedanke in mir: Was möchte ich dann tun? Wie werde ich meine Zeit verbringen? Womit werde ich meine Zeit verbringen? Und mit am wesentlichsten: Mit wem möchte ich meine Zeit verbringen? In den letzten Wochen kam es zu einigen Situationen in meinem Noch-Job, die mir genau diese Frage immer stärker und öfter vor Augen hielten. Sicher, alles gute ist nie beisammen und jeder von uns wird immer wieder auf Menschen treffen, bei denen man das Gefühl hat, egal, was man tut, auf einen Nenner kommt man nicht mehr. Meine derzeitige Aufgabe bringt es mit sich, dass ich mich täglich mit vielen unterschiedlichen Charakteren und Problemen beschäftige, die es zu lösen gilt. Das ist auch nach wie vor etwas, das ich gern tue und auch kann. Es funktioniert jedoch nur so lange, wie auch alle – vor allem im Führungskreis – diese Themen gleichermaßen reflektiert, selbstkritisch und objektiv betrachten. Um es kurz zu machen, diesen Eindruck habe ich, trotz vieler Gespräche und Versuche für allgemeines Verständnis und eine bessere Wir-Kultur zu sorgen, seit geraumer Zeit nicht mehr.
Was ist nun also die Konsequenz? Im Ergebnis hatte ich immer mehr den Eindruck, dass es an bestimmten Stellen gar nicht gewollt ist, lang anhaltende Probleme zu lösen, die für alle daraus resultierenden Themen wiederum einen großen Mehrwert schaffen würden. Stattdessen war ich immer mehr in dem Modus, nur noch die Symptome in letzter Instanz zu „bekämpfen“. Denn um sie tatsächlich lösen zu können, wäre das Bedürfnis auch an anderen Stellen, die Ursachen anzugehen, vorausgesetzt.
Mit dem Ziel vor Augen und einem bereits mehr und mehr reifenden Plan, wie es anschließend weiter gehen wird, waren meine Geduld sowie meine Schmerztoleranz dann in der letzten Woche vollends erschöpft. Ich hatte entschieden! Nun geht es nur noch darum, für die Firma und mich einen möglichst reibungslosen Abschied zu gewährleisten. Natürlich bin ich mir meiner Verantwortung bewusst und möchte vor allem meinem Team und den Mitarbeitern, die bisher auf mich zählten, ein stabiles Fundament hinterlassen.
Weder habe ich bisher je eine Kündigung erhalten, noch hatte ich bis dato Gründe dies aus eigenen Stücken zu tun. Die einzige Ursache für meine letzten Arbeitgeberwechsel waren immer Schließungen der Standorte. Jetzt mag der eine oder andere vielleicht denken, ich sei bei diesen Ereignissen die Konstante und damit eventuell ja sogar die Ursache für den Wegfall der letzten Arbeitgeber. Aber hier kann ich euch beruhigen. Die Branche, in der ich vorher tätig war, hatte sich nach einem anfänglichen Boom, bis zuletzt fast vollständig aus Deutschland zurückgezogen.
Wie geht es mir nun also, jetzt, wo es ausgesprochen ist und die letzten Monate offiziell beginnen? Die Nacht nach der Kündigung habe ich tatsächlich so gut geschlafen, wie seit Jahren nicht mehr. Das mag ein wenig klischeehaft klingen, aber ich war lange nicht so entspannt. Hinzu kommt eine gewisse Aufregung, eine große Neugier, was nun auf mich zukommt. Aber es gibt auch Momente, in denen ich kurz zweifle, das muss ich eingestehen. Diese Augenblicke halten nur kurz an, natürlich ist jedoch auch eine gewisse Anspannung dabei. Selbstverständlich gehe ich diesen Schritt nicht planlos. Nur gibt es einen entscheidenden Unterschied zur aktuellen Situation: Für mein Haupteinkommen bin ich ab sofort – spätestens nach Ende meiner Kündigungsfrist – selbst verantwortlich. Auch wenn ich mich, was meine Einkommensquellen neben dem Job betrifft, die letzten Jahre sehr gut aufgestellt habe, so bleibt eine Unsicherheit, die durch ein bisher vermeintlich sicheres Einkommen noch ruhig gestellt ist.
Ich hatte ja bereits erwähnt, dass es einen Plan gibt und tatsächlich habe ich auch die Umsetzung schon begonnen. Im Moment verbringe ich den Hauptteil meiner Freizeit, neben der Zeit mit meiner Partnerin, Freunden, meiner Familie und dem Sport damit, den Start meiner Selbständigkeit optimal vorzubereiten. Es gibt bereits den ersten Auftrag und parallel dazu baue ich an meiner Marke, der Reichweite und sonst allem, was nötig ist, um erfolgreich in den nächsten spannenden Lebensabschnitt zu starten.
Was wird nun aus dem Countdown? Ich lasse ihn erst einmal so stehen. Im Moment erinnert er mich daran, wie viel mehr Zeit ich nun habe, um an meiner neuen Aufgabe zu arbeiten und mich mit den Themen und Menschen zu beschäftigen, die mir meine Zeit wirklich wert sind.
Für alternative Vorschläge zum Countdown bin ich offen. Wer möchte, kann also gern Anregungen mit mir teilen.
In diesem Sinne, ich bedanke mich fürs Lesen und wünsche allen einen hervorragenden Sonntag.
Euer Patrick
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